Forstenrieder Volkslauf 2006

Dies war mein fünfter Halbmarathon, und es sollte mein schnellster werden.

Das Wetter war gerade richtig: Kühl und Nieselregen. Bei diesem Wetter laufe ich immer meine besten Zeiten. Der Startbereich war gut ausgeschildert und leicht zu finden, die 30 Minuten vor dem Startschuß vergingen wie im Flug. Keine Wartezeit für das finale kleine Geschäft (letzte Woche in Berlin waren es noch 25 Minuten), schöne Wege zum Warmlaufen, usw. ich bin sogar schon durch das Start/Zieltor gelaufen und habe mich gefragt, in welche Richtung das Feld wohl loslaufen würde. Als ich von der Aufwärmrunde zurückkam und auch wieder das Tor zulief, hatte ich auf einmal eine Wand von wild entschlossenen Spitzenläufern vor mir. Aha, falsche Seite – schnell vorbei und hinten anstellen.

Der Startschuß fiel, und los ging’s! Die meisten spurteten derartig schnell voran, daß der übliche „Sortierslalom“ hier nur etwa einen Kilometer währte, dann lief ich ungestört mein Tempo in einer kleinen Gruppe. Ich hatte mir vorgenommen, Kilometerzeiten von 5:30min zu laufen, das sollte für 1:55h reichen, knapp unter meiner bisherigen Bestzeit (auch im Nieselregen). So lief ich los, die ersten Kilometerschilder kamen wie immer schneller als erwartet und ich lief 5:20er Kilometer, einen nach dem anderen, immer weiter, und fühlte mich wohl dabei.

Der Lauf wurde zu einem fast meditativen Erlebnis: Vor einem Läuferbeine zum drauf konzentrieren, links Wald, rechts Wald, keine Zuschauer, oben Nieselregen. Nur das rythmische Geräusch der Schuhe auf dem Asphalt ist zu hören. Und jeden Kilometer ein freundliches Schild zu sehen: 6-7-8-9 – die Zeit verging wie im Fluge. Ich bin noch nie im Forstenrieder Park gelaufen und wußte daher nie, wo genau ich war und wie lange es noch bis zur nächsten Kurve war. Also konnte ich mich ganz aufs Laufen konzentrieren.

Der Lauf war sehr professionell organisiert. So habe ich es das erste Mal erlebt, daß das Wasser an den Versorgungsstationen angenehm vorgewärmt war!

Ab Kilometer 12 wurde es dann doch langsam anstrengender, das Tempo zu halten. Aber dafür gab es Abwechslung und Motivation zugleich. Die Spitzenläufer kamen einem entgegen, und: Sie keuchten auf ihren letzten Kilometern ganz genau so wie ich es von mir bei Kilometer 19 auch erwartete. Das motiviert.

Bei Kilometer 16 liefen wir eine 180-Grad-Kurve und boten nun den nachfolgenden Läufern auch das Schauspiel theatralischen Keuchens. Irgendwie waren die Kilometerschilder jetzt weiter voneinander entfernt platziert. Das letzte Stück über eine Waldweg, am Anfang kaum wahrgenommen, zog sich unendlich hin. Doch dann war das Ziel im Blick, dieses Mal ohne Starterreihe. Endspurt – PIEP macht die Chipmeßanlage – 1:51h! Wow – mehr als vier Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit. Habe ich schon erwähnt, wie gerne ich im Nieselregen laufe?

Im Ziel gab es Bananen, Apfelschorle und jede Menge zufriedene Gesichter. Denn just zu dieser Sekunde hatte der Regen aufgehört.

Ein sehr schöner Lauf! Es gibt große Fun-Läufe (wie den Münchner Stadtlauf) oder fast familiäre Läufe wie diesen, wo man, von guter Organisation umsorgt, in Ruhe seine perönlichen Grenzen testen kann.

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