München Marathon 2006

3:57. Unter 4h. Und es hat Spaß gemacht 🙂

Bei meinem 4. Marathon wollte ich (nach 4:00:09 in Regensburg) endlich die 4h-Marke knacken und wählte einen 3:45 Trainigsplan. An diesen hielt ich mich auch stoisch, bis ich nach dem Achenseelauf vor fünf Wochen Probleme mit einer gereizten Achillessehne bekam. Also Wochenumfänge runter auf einen Lauf in der Mitte der Woche und die langen Läufe am Wochenende. Sehr lange Taperingphase sozusagen.
Eine Woche vorher umzingelten mich dann die Bakterien: Die Frau braucht drei Pakete Taschentücher am Tag, die Kinder husten um die Wette. Bloß nicht anstecken, nach dem Lauf kann mein Immunsystem immer noch die weiße Fahne hissen!

Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Lauf. Ich war so damit beschäftigt, in mir nach Erkältungsanzeichen zu forschen, daß die ganze Aufregung vergessen war und ich die Nächte vor dem Lauf wie ein Murmeltier geschlafen habe. Nun, vielleicht waren es auch die vielen Nudeln am Abend.

Die Wettervorhersage hatte 5-16°C bei klarem Himmel vorausgesagt. Optimal. Ich stand kurz hinter dem 3:45 Zugläufer und hatte so vom Start weg gleich eine Gruppe in ungefähr meinem Tempo, ohne viel „hindernislaufen“ zu müssen.

Ab halt, 3:59 sollte doch mein Ziel sein. Bei km3 widerholte ein Moderator immer wieder gebetsmühlenhaft „Ihr seid zu schnell, die ersten 5km merkt Ihr bei km35, usw“. Der Mann muß Läufer sein, denn das war genau die richtige Ansprache. Auf dem Rückweg kamen wir bei km40.5 wieder dort vorbei und hörten die dann ebenfalls genau passenden Durchhalteparolen.
Aber zurück zu den ersten Kilometern. Erfolgreich gebremst, lief ich diese mit konstant 5:35. Durch Schwabing, Leopoldstraße, Siegestor, Marienplatz – Sightseeing pur. Wenn bloß mehr Menschen schon so früh auf den Beinen gewesen wären. Aber die haben wahrscheinlich das letzte schöne Wochenende für eine Bergtour genutzt.

Bei km19 lief ich in Berg am Laim fast bei mir vor der Haustür vorbei. Frau und Kinder umarmt (jetzt können mir deren Bakterien auch nichts mehr anhaben) und weiter gehts. Letztes Jahr kam kurze Zeit später im (zugegeben) läuferisch eher langweiligen Münchner Osten mein Einbruch. Dieses Jahr lief ich konstant meine 5:35 weiter und fühlte mich gut. Ich begann zu überholen, seltsamerweise auch die ersten mit „Deutsche Meisterschaft“-Startnummern.

Es wurde nun langsam wärmer, aber die Verpflegung war vorbildlich organisiert. Alle 2.5km Wasser, alle 5km Wasser, Banane und Energieriegel. Ich nahm immer von allem, erst Wasser im Gehen, Banane in die linke, Riegel in die rechte Hand und laufend kleine Portionen abbeißen. Das hat super funktioniert, Durst und Hunger kamen – anders als im letzten Jahr – nicht auf.

km 28, Eingang englischer Garten. Bis km35 kamen die Kilometerschilder meist eher(!) als erwartet, erst danach wurde es langsam anstrengender. Aber jetzt liefen wir schon über die Leopoldstraße wieder nach Schwabing ein. Zuschauer, viele Zuschauer, die einem zujubeln. Das tut gut zum Schluß. Die bayerische Blaskapelle bei km39 gönnte sich ein Päuschen, aber dafür gab’s kurz danach nochmal lecker Banane und Riegel.

Schon ging es auf die letzten Meter, durch das Marathontor mit Trockeneis ins Stadion. Noch 300m. Ah, ein Fotograf. Lächeln…und drei Schritte später legt es mich der Länge nach auf die Tartanbahn. Ein Aufschrei geht durchs Stadion, aber ich rappele mich wieder hoch, sammle mein herausgefallenes Brillenglas ein und laufe durchs Ziel. Erst hinter dem Ziel schaut mir ein Sanitäter ins Gesicht und sagt die Worte, die man nie von einem Sanitäter hören will: „Oh-oh“, und ab geht’s auf der Bahre ins Zelt. Ich bekomme meine Medaille in die Hand gedrückt und einen Brillenbügel wieder aus der Wange operiert. Glück gehabt, das nächste Mal laufe ich mit Weichgummi-Sportbrille. Ein blaues Auge und eine Medaille – wie habe ich auf mindestens fünf selbstgemalten Schildern gelesen? Der Schmerz vergeht, der Ruhm bleibt.

Nun, Schmerzen habe ich heute keine mehr. Keine steifen Beine, kein Ziehen in der Achillessehne, keine Erkältung, dem Auge und der Wange geht’s (bis auf die Farbe) gut. Dafür mein Ziel geschafft: 3:57:13, alle Kilometer zwischen 5.35 und 5:38, und viel Spaß gemacht hat’s auch!

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