Hamburg Marathon 2007

Wie macht man mit dem Marathonlaufen weiter, wenn man sein Ziel erreicht hat? Letztes Jahr in München hatte ich ja die 4h-Marke unterschritten, schneller kann und will ich mit meinem Trainigszeitbudget nicht mehr werden. Also was motiviert mich 2007, früh am Morgen ein warmes Bett gegen Training einzutauschen? Schöne Strecken und frühes Anmelden 🙂

So sollte es Hamburg werden. Weil ich die Stadt mag und auch mal wieder die Stimmung mit fast einer Million Zuschauern wie beim ersten Marathon in Essen erleben wollte.

Heuschnupfen. Und das schon im April! Das erste Mal merke ich, wie meine Trainigszeiten schlechter werden und ich einfach nicht mehr über einen bestimmten Puls drüberkomme. Sauerstoffaufnahmefähigkeit reduziert. Hustenreiz nach dem Laufen. Also mal langsam angehen lassen…

In Hamburg wird früh aufgestanden. Um 9 Uhr soll gestartet werden. Um 8 Uhr am Start ist es noch schlotterkalt und windig. Gut daß die Marathonmesse direkt neben dem Start schon auf hat – da können so Weicheier wie ich sich ins Innere flüchten.

Am Start stehe ich in Startblock G (unter 4h, ohauerha), am Gorch-Fock-Wall, leicht angesteigend. Genau hier wird auch der 42. Kilometer entlangführen. Das könnte bitter werden. Um 9:05 wird gestartet und zwei Minuten später bin ich über der Matte. Ich laufe ob der eingeschränkten Leistungsfähigkeit 6-Minuten Kilometer und werde ständig überholt. Das wird bis ca. km30 auch so bleiben. Hamburg scheint das Mekka der 4h-Läufer zu sein!

Dabei lohnt es sich so, links und rechts zu gucken! Trotz der frühen Morgenstunde stehen schon die ersten Zuschauer an der Reeperbahn und feuern an. An der Elbchaussee hat man einen wunderbaren Blick auf den Hafen, zu dem wir nach 10km hinunterlaufen. Ab Landungsbrücken stehen die Leute dicht an dicht. Ich fühle mich wohl und bekomme Hunger.

Zum Glück gibt es jetzt alle fünf Kilometer Bananen. Diese erfreuen sich reger Nachfrage – man sieht von den Händen abgewischte Bananenspuren fast an jeder schwarzen Läuferhose, die mich überholt.

Bei Kilometer 15 laufen wir mit La Ola Wellen durch den Tunnel vor dem Hauptbahnhof, dann umrunden wir die Innenalster und die halbe Außenalster – meine Laufstrecke, immer wenn ich
beruflich in Hamburg zu tun habe. Die Außenalster ist voller Segel. Es muß also ein paar vereinzelte Hamburger geben, die nicht an der Strecke stehen.

Halbmarathonzeit ist 2:05, also genau im Plan. Aber jetzt wird das Laufen zäher. Der touristische Aspekt der Strecke tritt etwas in den Hintergrund, dafür passieren wir jetzt ein Stadtteilfest nach dem anderen. Ich könnte meine Wasser und Bananen-Diät mit Sekt, Grillwürstchen, Bier, Schokolade und vielem mehr aufbessern, beschränke mich aber dann doch lieber darauf, alle mir entgegengestreckten Kinderhände abzuklatschen und den „Rolf Du schaffst das“ (glaube ich auch) oder „Rolf Du siehst guht aus“ (gleube ich zunehmend
weniger) Rufen breit entgegenzulächeln. Sehr gute Idee, die Vornamen mit auf die Startnummer zu drucken!

Kilometer 30 kommt, und ich bin müde. Wie geschickt, daß gerade hier (1) der vom Start am
weitesten entfernte Punkt ist und (2) die Ohlsdorfer die größte Sause veranstalten, durch
die ich jemals durchgelaufen bin. Volksfeststimmung und ein enger Korridor, durch den man durchläuft als wäre man Lance Amstrong auf dem Weg nach Alpe d’Huez. Das gibt wieder Kraft. Ich könnte heulen vor Glück dabeizusein – für solche Momente laufe ich Marathon.

„Jetzt geht es nur noch geradeaus“ – sagt ein Mitläufer. Glücklicherweise wird die lange Gerade jedoch am Klosterstern durch ein weiteres Volksfest unterbrochen. Die Eppendorfer versuchen Ohlsdorf noch zu übertrumpfen. Das Ergebnis ist genug Adrenalin für die letzten fünf Kilometer.

Bei Kilometer 40 wird die Bananen- und Wasser-Diät überraschenderweise durch Red Bull ergänzt. Ich denke an den Anstieg kurz vor Schluß und genehmige mir einen Becher. Dazu noch ein letzte Anfeuerungsschrei meiner Frau und meiner Freunde vor dem Bahnhof Dammtor, und ich kann mein inzwischen etwas abgesacktes Tempo noch einmal anziehen. Ich fliege buchstäblich den Gorch-Fock-Wall hinauf. Jetzt kann ich schon das Ziel sehen. Der Sprecher nennt jeden Läufer mit Namen, es gibt eine Ehrentribüne mit Sitzplätzen(!) auf den letzten Metern – aber vor allem: Ich bin im Ziel.

Fazit: Super Wetter, super Stimmung, schöne Strecke. Zeit: 4:20, Puls die ganze Zeit im GA-II Bereich. Ein echter Genußlauf.

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