Wien Marathon 2010

Der Winter war lang, aber jetzt ist Frühling. Schon beim letzten langen Trainingslauf durch den Münchner Westen mit R. und H. Konnten wir die Kohlenhydratspeicher bei H. Im Garten auffüllen. R. Will dieses Jahr den Jungfrau-Marathon angehen, H. mit mir zusammen in Wien seine Marathonpremiere erleben. Nun ist Samstag, und ich beneide beim Schlendern durch den Prater (nur nicht zuviel Laufen!) meine Tochter mit ihrer Zuckerwatte. Lecker Langos hier, ein paar Bier im Biergarten dort – lieber nicht, denn am Tag vor dem Marathon gilt es, kulinarische Experimente zu vermeiden. So kaufen wir auf dem Heimweg beim Billa Brot, Nudeln, Pesto und sage und schreibe ein Viertelliterfläschchen Zweigelt für die Nudelparty am Abend gemeinsam mit unserem mitgereisten Nachbarn J., der auch seinen ersten Marathon laufen wird.

Nach drei Tellern Nudeln und einem Schnapsglas Zweigelt für jeden schlafe ich gut und mache mich am nächsten Morgen auf zum Startplatz. Wir hatten uns am Wiener Oracle Büroturm verabredet. H. und sein Schützling M. (erster Halbmarathon), J. und ich.

Nach aufmunternden Worten, Marschtabellenabgleich und ein paar Heldenfotos begeben wir uns in unsere Startblöcke. Das Starterfeld kommt schnell in Gang, im Nu bin ich auf der Reichsbrücke. Zum Glück ist es nicht so warm wie am Samstag, ideales Laufwetter. Noch macht mir die Steigung der Brücke nichts aus, es geht wieder abwärts zum Praterstern und in den Prater hinein. Viel Grün taktisch günstig verteilt, um das viele Wasser vom Morgen diskret loszuwerden. Nach dem langen Wintertraining ohne Tempoeinheiten hatte ich mir einen gemütlichen 6er Schnitt mit Puls unter 150 vorgenommen, den ich die ersten Kilometer auch grob einhalte. Zwischen neun und zehn Uhr scheint der Wiener auch lieber noch zu frühstücken, so daß kein Zuschauer die Ruhe stört.

Ab Kilometer 10, am Ring, ist mehr los. Hier ist Sightseeing pur angesagt – am noch geschlossenen Naschmarkt geht aus raus zum Schloß Schönbrunn. Hier werden die ersten Staffelläufer abgeklatscht – das erzeugt großes Hallo und dient als Erklärung, warum ich auf den nächsten Kilometern auf einmal so viel überholt werde. Hinter Schönbrunn, dem höchsten Punkt des Laufs, geht es zurück zum Ring. Am Heldenplatz biegen die Halbmarathonläufer ins Ziel ab, ich allerdings muß noch eine Runde. Inzwischen habe ich H. wieder getroffen (J. ist auf 3:59 Kurs längst entschwunden) und wir machen Fotos von uns auf dem Ring.

An Kilometer 26 wird es langsam etwas öde – Donaustraße, keine Musik, keine Zuschauer – doch dann steht da meine Familie und feuert mich an. Genau der richtige Zeitpunkt! Trotzdem werde ich ab Kilometer 30 langsamer und muß H. ziehen lassen. Es geht wieder in den Prater, am Stadion vorbei die Hauptallee entlang. Ab Kilometer 32 tönt mir laute Musik entgegen, „Pirates of the Carribean“, und begleitet mich bis Kilometer 36. Die Musik geht durch und durch und gibt mir – zusammen mit dem nun wirkenden bei Kilometer 30 reingedrückten ersten Gel, einen gewaltigen Schub. Runner’s High? Ich kann mir vorstellen, warum iPods beim New York Marathon als Doping gelten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommt mit J. entgegen, genau auf 3:59 Plan und ebenfalls bester Laune. Bitte, laß die Musik bis ins Ziel weitergehen!

Leider werden meine Bitten nicht erhört – auf der Schüttelstraße bei Kilometer 38 ist es wieder totenstill und ich habe keine Lust mehr. Einen 6er Kilometerschnitt laufe ich schon lange nicht mehr, jetzt ist nur noch Ankommen angesagt. Das zweite Gel wird verdaut ohne Schub zu erzeugen. Wann kommt endlich wieder der Ring? Da ist er – Endspurt! Jetzt endlich sind die Wiener an der Strecke, Jubel links, Jubel rechts, die Gasse wird enger, da ist schon der Heldenplatz – das Ziel! Filmend laufe ich ins Ziel – 4 Stunden 22 Minuten.

Nach einigen Schwierigkeiten mit sturen Security-Leuten, den Verpflegungsbeutel zu bekommen (nach Marathons verhandle ich ungern, besonders wenn es um Essen und Trinken geht), treffe ich im Zielbereich auch H. und M. wieder. Beide haben ihr Ziel (Marathon bzw. Halbmarathon) ebenfalls geschafft, Glückwunsch. An den Kleiderwagen treffen wir J., der 3:58 gelaufen ist – bei seiner Premiere!

Gemeinsam plündern wir unsere Verpflegungsbeutel, dann gehe ich zur Ferienwohnung zurück. Frisch geduscht treffen wir uns alle mit einem Wiener Kollegen und seiner Tochter beim Cafe Landtmann zu Eis, Kaffee, Bier, Würstel und allem, was man nach einem solchen Lauf so braucht.

Nach dem langen Winterttraining ohne Tempoeinheiten hatte ich mir einen gemütlichen 6er Schnitt mit Puls unter 150 vorgenommen, den ich die ersten Kilometer auch grob einhalte.

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Eine Antwort zu “Wien Marathon 2010

  1. Matthias Zehnder

    Lieber Rolf,

    toller blog. ich heb mir den Text als Erinnerung an diesen wunderschönen Tag auf.

    In diesem Jahr muss ich unbedingt noch einen run machen.
    Viele liebe Grüße

    Matthias

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