Stadtlauf München 2007

Nach der Hitzeschlacht letztes Jahr haben die Veranstalter nun die Reihenfolge umgedreht. Die Halbmarathonis laufen ganz früh um 8 Uhr, der 10km Lauf wird dann um 11 Uhr gestartet. Somit können alle spätestens 12:30 im Biergarten sein 🙂

Es ist schon ein faszinierender Anblick, wenn man Sonntags früh um Sieben auf dem Fahrrad nach München hineinfährt und aus allen Ecken Frühaufsteher mit dem charakteristischen orangen Stadtlauf-Shirt gen Rindermarkt streben sieht.

Es ist früh, es ist nicht zu warm, der Veranstalter hat kurz vor dem Start spezielle Männerpissoirs aufgestellt (Vierfacher Durchsatz auf gleicher Grundfläche – der Ingenieur in mir jubelt mit meiner Blase im Takt) – optimale Bedingungen also. Wären da nicht die 5000 Läufer vor mir, da ich mich verquatscht und spät zur engen Startaufstellung kommend unter die „2:15 bis 2:45“ mischen mußte. Nun gut, vielleicht bremst mich das am Anfang auf ein vernünftiges Tempo, daß ich nicht gegen Ende so einbreche wie letztes Jahr.

Es geht dann auch gemütlich los, die ersten 3km in 18:40 – hmmm etwas langsam für sub2 – km4 dann in 23:10. Da war wohl ein Schild kreativ platziert. km5 bei 28:00, km10 bei 55:00. So schnell bin ich nicht. Aber jetzt werden die Kilometer länger, obwohl ich subjektiv nicht langsamer laufe. Vielleicht brauch ich ja doch so einen sauteuren GPS-Pulsmesser…

Ein kurzer Anstieg an einer Brücke über den mittleren Ring, dann eine endlose Runde über den Kleinhesseloher See. Kilometer (oder 1100m?) Zeiten von 5:30 bis 6:00. Sub2 könnte noch was werden.

Die vorletzten zwei Kilometer dann bis zum Hofgarten sind hart, aber wenigstens sieht man dieses Jahr im Unterschied zum Vorjahr keine Sanitäter umgekippte Läufer versorgen. Die Temperaturen sind halt immer noch angenehm.

Feldherrnhalle, letzte 500m, Endspurt: 1:59. Na also, geht doch noch, obwohl es der erste Lauf in der M40-Klasse war 🙂

Nach einer Stunde ausschnaufen, Erdinger alkoholfrei trinken und um Bananen und Brezeln kämpfen haben wir uns dann den Start des 10km Laufs angeschaut. Wahnsinn in welchem Tempo die Spitzenläufer losrennen. Und noch mehr Wahnsinn, daß sie nach 32 Minuten im gleichen Tempo wieder zurück kommen.
Genauso beeindruckend aber auch der Anblick, wie an die 10.000 Läuferinnen und Läufer im orangen Shirt in dichtem Pulk an einem vorbeilaufen.

Advertisements

Hamburg Marathon 2007

Wie macht man mit dem Marathonlaufen weiter, wenn man sein Ziel erreicht hat? Letztes Jahr in München hatte ich ja die 4h-Marke unterschritten, schneller kann und will ich mit meinem Trainigszeitbudget nicht mehr werden. Also was motiviert mich 2007, früh am Morgen ein warmes Bett gegen Training einzutauschen? Schöne Strecken und frühes Anmelden 🙂

So sollte es Hamburg werden. Weil ich die Stadt mag und auch mal wieder die Stimmung mit fast einer Million Zuschauern wie beim ersten Marathon in Essen erleben wollte.

Heuschnupfen. Und das schon im April! Das erste Mal merke ich, wie meine Trainigszeiten schlechter werden und ich einfach nicht mehr über einen bestimmten Puls drüberkomme. Sauerstoffaufnahmefähigkeit reduziert. Hustenreiz nach dem Laufen. Also mal langsam angehen lassen…

In Hamburg wird früh aufgestanden. Um 9 Uhr soll gestartet werden. Um 8 Uhr am Start ist es noch schlotterkalt und windig. Gut daß die Marathonmesse direkt neben dem Start schon auf hat – da können so Weicheier wie ich sich ins Innere flüchten.

Am Start stehe ich in Startblock G (unter 4h, ohauerha), am Gorch-Fock-Wall, leicht angesteigend. Genau hier wird auch der 42. Kilometer entlangführen. Das könnte bitter werden. Um 9:05 wird gestartet und zwei Minuten später bin ich über der Matte. Ich laufe ob der eingeschränkten Leistungsfähigkeit 6-Minuten Kilometer und werde ständig überholt. Das wird bis ca. km30 auch so bleiben. Hamburg scheint das Mekka der 4h-Läufer zu sein!

Dabei lohnt es sich so, links und rechts zu gucken! Trotz der frühen Morgenstunde stehen schon die ersten Zuschauer an der Reeperbahn und feuern an. An der Elbchaussee hat man einen wunderbaren Blick auf den Hafen, zu dem wir nach 10km hinunterlaufen. Ab Landungsbrücken stehen die Leute dicht an dicht. Ich fühle mich wohl und bekomme Hunger.

Zum Glück gibt es jetzt alle fünf Kilometer Bananen. Diese erfreuen sich reger Nachfrage – man sieht von den Händen abgewischte Bananenspuren fast an jeder schwarzen Läuferhose, die mich überholt.

Bei Kilometer 15 laufen wir mit La Ola Wellen durch den Tunnel vor dem Hauptbahnhof, dann umrunden wir die Innenalster und die halbe Außenalster – meine Laufstrecke, immer wenn ich
beruflich in Hamburg zu tun habe. Die Außenalster ist voller Segel. Es muß also ein paar vereinzelte Hamburger geben, die nicht an der Strecke stehen.

Halbmarathonzeit ist 2:05, also genau im Plan. Aber jetzt wird das Laufen zäher. Der touristische Aspekt der Strecke tritt etwas in den Hintergrund, dafür passieren wir jetzt ein Stadtteilfest nach dem anderen. Ich könnte meine Wasser und Bananen-Diät mit Sekt, Grillwürstchen, Bier, Schokolade und vielem mehr aufbessern, beschränke mich aber dann doch lieber darauf, alle mir entgegengestreckten Kinderhände abzuklatschen und den „Rolf Du schaffst das“ (glaube ich auch) oder „Rolf Du siehst guht aus“ (gleube ich zunehmend
weniger) Rufen breit entgegenzulächeln. Sehr gute Idee, die Vornamen mit auf die Startnummer zu drucken!

Kilometer 30 kommt, und ich bin müde. Wie geschickt, daß gerade hier (1) der vom Start am
weitesten entfernte Punkt ist und (2) die Ohlsdorfer die größte Sause veranstalten, durch
die ich jemals durchgelaufen bin. Volksfeststimmung und ein enger Korridor, durch den man durchläuft als wäre man Lance Amstrong auf dem Weg nach Alpe d’Huez. Das gibt wieder Kraft. Ich könnte heulen vor Glück dabeizusein – für solche Momente laufe ich Marathon.

„Jetzt geht es nur noch geradeaus“ – sagt ein Mitläufer. Glücklicherweise wird die lange Gerade jedoch am Klosterstern durch ein weiteres Volksfest unterbrochen. Die Eppendorfer versuchen Ohlsdorf noch zu übertrumpfen. Das Ergebnis ist genug Adrenalin für die letzten fünf Kilometer.

Bei Kilometer 40 wird die Bananen- und Wasser-Diät überraschenderweise durch Red Bull ergänzt. Ich denke an den Anstieg kurz vor Schluß und genehmige mir einen Becher. Dazu noch ein letzte Anfeuerungsschrei meiner Frau und meiner Freunde vor dem Bahnhof Dammtor, und ich kann mein inzwischen etwas abgesacktes Tempo noch einmal anziehen. Ich fliege buchstäblich den Gorch-Fock-Wall hinauf. Jetzt kann ich schon das Ziel sehen. Der Sprecher nennt jeden Läufer mit Namen, es gibt eine Ehrentribüne mit Sitzplätzen(!) auf den letzten Metern – aber vor allem: Ich bin im Ziel.

Fazit: Super Wetter, super Stimmung, schöne Strecke. Zeit: 4:20, Puls die ganze Zeit im GA-II Bereich. Ein echter Genußlauf.

München Marathon 2006

3:57. Unter 4h. Und es hat Spaß gemacht 🙂

Bei meinem 4. Marathon wollte ich (nach 4:00:09 in Regensburg) endlich die 4h-Marke knacken und wählte einen 3:45 Trainigsplan. An diesen hielt ich mich auch stoisch, bis ich nach dem Achenseelauf vor fünf Wochen Probleme mit einer gereizten Achillessehne bekam. Also Wochenumfänge runter auf einen Lauf in der Mitte der Woche und die langen Läufe am Wochenende. Sehr lange Taperingphase sozusagen.
Eine Woche vorher umzingelten mich dann die Bakterien: Die Frau braucht drei Pakete Taschentücher am Tag, die Kinder husten um die Wette. Bloß nicht anstecken, nach dem Lauf kann mein Immunsystem immer noch die weiße Fahne hissen!

Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Lauf. Ich war so damit beschäftigt, in mir nach Erkältungsanzeichen zu forschen, daß die ganze Aufregung vergessen war und ich die Nächte vor dem Lauf wie ein Murmeltier geschlafen habe. Nun, vielleicht waren es auch die vielen Nudeln am Abend.

Die Wettervorhersage hatte 5-16°C bei klarem Himmel vorausgesagt. Optimal. Ich stand kurz hinter dem 3:45 Zugläufer und hatte so vom Start weg gleich eine Gruppe in ungefähr meinem Tempo, ohne viel „hindernislaufen“ zu müssen.

Ab halt, 3:59 sollte doch mein Ziel sein. Bei km3 widerholte ein Moderator immer wieder gebetsmühlenhaft „Ihr seid zu schnell, die ersten 5km merkt Ihr bei km35, usw“. Der Mann muß Läufer sein, denn das war genau die richtige Ansprache. Auf dem Rückweg kamen wir bei km40.5 wieder dort vorbei und hörten die dann ebenfalls genau passenden Durchhalteparolen.
Aber zurück zu den ersten Kilometern. Erfolgreich gebremst, lief ich diese mit konstant 5:35. Durch Schwabing, Leopoldstraße, Siegestor, Marienplatz – Sightseeing pur. Wenn bloß mehr Menschen schon so früh auf den Beinen gewesen wären. Aber die haben wahrscheinlich das letzte schöne Wochenende für eine Bergtour genutzt.

Bei km19 lief ich in Berg am Laim fast bei mir vor der Haustür vorbei. Frau und Kinder umarmt (jetzt können mir deren Bakterien auch nichts mehr anhaben) und weiter gehts. Letztes Jahr kam kurze Zeit später im (zugegeben) läuferisch eher langweiligen Münchner Osten mein Einbruch. Dieses Jahr lief ich konstant meine 5:35 weiter und fühlte mich gut. Ich begann zu überholen, seltsamerweise auch die ersten mit „Deutsche Meisterschaft“-Startnummern.

Es wurde nun langsam wärmer, aber die Verpflegung war vorbildlich organisiert. Alle 2.5km Wasser, alle 5km Wasser, Banane und Energieriegel. Ich nahm immer von allem, erst Wasser im Gehen, Banane in die linke, Riegel in die rechte Hand und laufend kleine Portionen abbeißen. Das hat super funktioniert, Durst und Hunger kamen – anders als im letzten Jahr – nicht auf.

km 28, Eingang englischer Garten. Bis km35 kamen die Kilometerschilder meist eher(!) als erwartet, erst danach wurde es langsam anstrengender. Aber jetzt liefen wir schon über die Leopoldstraße wieder nach Schwabing ein. Zuschauer, viele Zuschauer, die einem zujubeln. Das tut gut zum Schluß. Die bayerische Blaskapelle bei km39 gönnte sich ein Päuschen, aber dafür gab’s kurz danach nochmal lecker Banane und Riegel.

Schon ging es auf die letzten Meter, durch das Marathontor mit Trockeneis ins Stadion. Noch 300m. Ah, ein Fotograf. Lächeln…und drei Schritte später legt es mich der Länge nach auf die Tartanbahn. Ein Aufschrei geht durchs Stadion, aber ich rappele mich wieder hoch, sammle mein herausgefallenes Brillenglas ein und laufe durchs Ziel. Erst hinter dem Ziel schaut mir ein Sanitäter ins Gesicht und sagt die Worte, die man nie von einem Sanitäter hören will: „Oh-oh“, und ab geht’s auf der Bahre ins Zelt. Ich bekomme meine Medaille in die Hand gedrückt und einen Brillenbügel wieder aus der Wange operiert. Glück gehabt, das nächste Mal laufe ich mit Weichgummi-Sportbrille. Ein blaues Auge und eine Medaille – wie habe ich auf mindestens fünf selbstgemalten Schildern gelesen? Der Schmerz vergeht, der Ruhm bleibt.

Nun, Schmerzen habe ich heute keine mehr. Keine steifen Beine, kein Ziehen in der Achillessehne, keine Erkältung, dem Auge und der Wange geht’s (bis auf die Farbe) gut. Dafür mein Ziel geschafft: 3:57:13, alle Kilometer zwischen 5.35 und 5:38, und viel Spaß gemacht hat’s auch!

Achenseelauf 2006

Was für ein schöner Lauf! Super Panorama die ganze Zeit, Abwechslung im zweiten Teil und Schlemmerbuffet im Ziel. Aber erstmal…

Ich trainiere gerade auf mein Ziel „Unter 4h“ für den München Marathon (welches in in Regensburg um 10 Sekunden verfehlt habe) und hatte mich im Frühjahr angemeldet, weil mir 23km um einen See als guter Testwettkampf erschienen.
Kurz vor dem Lauf dann habe ich in drsl dann mal „Achenseelauf“ eingegeben und zwei schöne aber alarmierende Berichte (Danke Gernot) gefunden, wonach die zweite Hälfte eher ein Berglauf ist. Oha. Aber genug der Vorrede.

Sonntag früh um sieben Uhr. Nudelauflauf und Rotwein mit Freunden am Vorabend, den Rest Kuchen mit Kaffee zum Frühstück – das sollte doch eine ideale Grundlage sein, den Magen auf die Red Bulls an den Labestationen (der Lauf ist schließlich in Österreich) vorzubereiten.

Nach eineinhalb Stunden malerischer Autofahrt durch die Berge komme ich in Pertisau am Achensee an, bekomme einen Parkplatz auf einer großen Wiese und meine Startnummer. Im Begrüßungspaket befindet sich neben dem üblichen Müsliriegel auch ein Trinflaschengurt und – als Souvenier ein Paket Buchstabennudeln!

Es ist kalt so früh. Also länger warmlaufen und Taktik überlegen. Gernot hatte empfohlen, die ersten 15km so schnell wie möglich zu laufen, weil auf den dann folgenden fünf Bergkilometern eh Stop-n-Go mit Ausruhgelegenheit zu erwarten ist. Also beschließe ich, mein avisiertes Marathontempo (5:30min/km) anzupeilen und mich auf den Berg zu freuen.

Ein krachender Böllerschuß am Start zwingt uns, die ersten Kilometer taub zu laufen. Offensichtlich sollen keine anderen Sinne unsere Augen von der Kulisse ablenken, die sich jetzt vor uns entfaltet: Den ersten Kilometer geht es leicht bergab durch Pertisau zum Ufer des Sees, dann immer am See entlang. Wir passieren die Endstation der Dampfeisenbahn, die aus dem Inntal herauf zum See fährt, umrunden die Südspitze und laufen dann unterhalb der in den Fels gehauenen Straße am Ostufer des Sees nach Norden.

Meine Kilometerzeiten sind genau im Plan, und ich fühle mich super. Auf dem See kreuzt ein Ausflugsdampfer mit Zuschauern, dazwischen Schlauchboote mit Sanitätshelfern. Ein Schlauchboot wäre im Falle eines Falle schneller vor Ort als ein Krankenwagen. Später am Westufer sollten wir Streckenposten mit ausreichend Seil sehen, bereit, Hilfebedürftige zum Schlauchboot auf dem See abzuseilen. Bei Kilometer 9 kommt die erste kurze Steigung. Freundlicherweise haben die Veranstalter links und rechts Spiegel aufgestellt, damit jeder die Größe seiner Schweißperlen mit denen des Hintermanns vergleichen kann 🙂

10km Zwischenzeit ist 54:00, alles im Plan. Bei Achenkirch und Kilometer 14 umrunden wir die Nordspitze des Sees und eine seltsame Unruhe breitet sich im Feld aus. Hektische Zwischenspurts, Überholmanöver – kurze Zeit später erkenne ich warum: Stau, noch bevor der Bergpfad richtig angefangen hat. Ab jetzt gilt Überholverbot, an das sich auch brav jeder hält.

Die nächsten 5km werden auf diese Weise sehr kurzweilig; Man hat Muße den Ausblick auf den See zu genießen und ein wenig mit seinen Nachbarn zu quatschen. Zwischendurch kurze Laufabschnitte, dann wieder 40cm hohe Stufen hoch und am Ende steil wieder runter auf Seehöhe. Dort gibt es das erste Mal Red Bull zu trinken, und weiter geht es in ein Waldstück. Der Weg wird allerdings noch nicht breiter, Stufen und Wurzelwerk erfordern höchste Konzentration. Das Durchschnittstempo ist inzwischen auf mehr als 6:00min/km abgesackt. Hoffentlich gehen die Endspurtkilometer nicht auch durch den Wald!

Nein, denn der Achensee ist ein läuferfreundlicher See: Die letzten zwei Kilometer läuft man auf einem breiten Promenadenweg nach Pertisau ein. Hier kann ich das Tempo noch einmal richtig anziehen, das Ziel schon fast vor Augen. Das macht Spaß. So wie der ganze Lauf, 2 Stunden und 19 Minuten lang.

Im Ziel bekommen wir unsere Medaille, soviel Red Bull wie wir wollen, aber auch Wasser, Iso, Kuchen, Bananen, Müsliriegel… Das tut gut!

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Lauf, bestens organisiert, abwechslungsreich und durch wunderbare Landschaft.

Regensburg Marathon 2006

Heute, bei meinem dritten Marathon nach Essen und München, hatte ich mir vorgenommen, 4h zu laufen. Nachdem ich letztes Jahr in Essen bei meiner Premiere überraschend locker 4:16 gelaufen bin, in München dann zu schnell angegangen bin und in mich ab km25 nur noch ins Ziel gequält habe, wollte ich es dieses Mal Training ganz nach Lehrbuch machen: Auf Basis eines trotz Rekordschneemengen „durchgelaufenen“ Winters Intervalle, Läufe im Marathontempo und lange ganz langsame Läufe.

Das hat auch weitgehend funktioniert: Drei Wochen vor Regensburg wurden meine Pulswerte bei den zwei Tempobereichen (langsam und Marathon) auf einmal 5% niedriger als der Durchschnitt vorher. Ein gutes Omen. Vielleicht schaffe ich die vier Stunden ja tatsächlich?

Für Schnell-Leser: Ich habe die Punktlandung geschafft: 4:00:09, auch wenn’s am Ende doch sehr hart wurde.

Aber beginnen wir mit dem Anfang: Dem Weckerklingeln früg um 5 Uhr, der Blick aus dem Fenster – kein Regen in München. Für Regensburg waren vormittags Schauer mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 35% vorhergesagt. Bewölkter Himmel, gerne auch Nieselregen, ist eigentlich mein bevorzugtes Laufwetter – also habe ich voller Optimismus zwei Honigbrötchen
vertilgt, zwei Becher Kaffee zum rechtzeitigen Ballastabwurf, und los ging’s nach Regensburg.

Kein Regen. Der kam erst ab Holledau, dann aber richtig. Am letzten Rasthof vor Regensburg durch den Regen schnell zum Ballastabwurf zweiter Teil gesprintet. Dies war der erste frühmorgendliche Treffpunkt der Läufergemeinde, die alle das gleiche vorhatten wir ich 🙂

In Regensburg schnell die Startnummer abgeholt. Dunkle Wolken türmten sich am Himmel auf. Da ich früh dran war und einen Parkplatz unmittelbar neben dem Startbereich gefunden hatte, war das Auto die Zuflucht vor dem aufziehenden Platzregen. Die Insassen der anderen Autos auf dem Parkplatz haben das wohl genauso gemacht – jedenfalls waren die Scheiben von innen beschlagen wie im Autokino…

Eine halbe Stunde vor dem Start habe ich das schöne trockene Auto dann doch verlassen und mich auf den Weg zum Start gemacht – und siehe da: Beim Einlaufen wurde der Regen weniger, und beim Start hörte er ganz auf. Er sollte auch in den nächsten Stunden nicht wiederkommen. Der Wettergott muß ein Läufer sein.

Am Start ging auf einmal alles ganz schnell – nach nur 30 Sekunden war ich schon über die Startlinie. Keine minutenlangen Staus wie bei meinen beiden ersten Marathons. Jetzt nur nicht in der Anfangseuphorie zu schnell werden. Am besten orientiere ich mich an dem 3:59 Zugläufer.

Nur daß der ein Tempo vorlegt, daß einem Angst und Bange wird. Na gut, dann lassen wir in eben ziehen.

Es ist Sonntags um neun, kaum Menschen am Wegesrand. Nur die Bands sind schon wach, und heizen und auch ordentlich ein. Danke dafür! Nach 2km kommen wir in die Altstadt, hier sind schon mehr Menschen unterwegs. Hinter der Altstadt geht es eine Ausfallstraße nach Osten. Hier trifft die Rauswärts-Strecke wieder die Reinwärts-Strecke. Ich linse auf die Kilometerschilderauf der anderen Seite: 35km – wie es mir wohl da gehen wird? Jetzt jedenfalls geht es mir gut, der Puls ist nach dem Anfangsschub wieder runter auf 155. Das sollte sich durchhalten lassen.

Bei Kilometer 9 spielt eine Band „Turn the Page“ von Metallica: „Here I go…“ Das geht durch und durch, ich höre das Lied noch den ganzen folgenden Kilometer, während ich mich fühle, als ob ich fliege. Danke, Jungs!

Der 3:59 Zugläufer ist inzwischen außer Sicht, ich laufe jedoch ruhig jeden Kilometer zwischen 5:30 und 5:40. Bei Kilometer 13, hinter Barbing, kommt die Walhalla in Sicht. Hier beginnt der landschaftlich schönste Teil der Strecke. Links die Donau, rechts Seen oder Wiesen. Gute Entscheidung, den Regensburg Marathon in einer Runde über Barbing hinaus zu führen und nicht
zwei Runden drehen zu lassen wie bisher!

Ein ganz besonderes Lob haben all die wackeren Helferinnen und Helfer bei den Verpflegungsstationen verdient: Niemals Gedrängel, fast immer habe ich meinen Becher mit einem freundlichen Lächeln in die Hand gedrückt bekommen. Es waren viel mehr Verpflegungsstationen da als auf der Rennverlaufskarte angegeben. Manchmal alle 2-3km eine. Das war gut (viel zu Trinken) und schlecht zugleich: Es ließ sich nicht recht vorausberechnen, wann die nächste Station genau kam. Im letzten Drittel, wo ich mir mit klebrigen Gels den Hammermann vom Leibe halten wollte, mußte ich aufgrund solch einer Fehlkalkulation fast 2km mit zusammengeklebten Zähnen laufen.

Die Kilometermarken zählen höher. Irgendwo am Sarchinger See dann der Ruf: „Alle nach rechts rüber!“. Die Spitzengruppe kommt uns entgegen. Es ist immer wieder ein Erlebnis, die Geschwindigkeit und Eleganz dieser Läuferinnen und Läufer zu bewundern. Die werden im Ziel sein, wenn ich diesen Punkt auf dem Rückweg passiere, mit noch knapp 20km vor der Brust!

Ich laufe weiter mein Tempo und passiere die Halbmarathon-Marke bei 1:57. In München habe ich jetzt begonnen abzubauen, aber hier kann (erstmal) keine Rede davon sein. Einfach ruhig weiterlaufen. In Friesheim, Sarching und Barbing stehen auf dem Rückweg viel mehr Menschen als auf dem Hinweg und feuern uns kräftig an. Die 30km-Marke hinter Barbing passiere ich in 2:50.

So langsam werde ich müde. Vielleicht spielen Sie gleich noch einmal Metallica? – Leider nicht, und das Stück zwischen Barbing und der Altstadt am Donauhafen entlang ist öde, öde, öde. Doch was ist das? Ich habe den 3:59 Zugläufer eingeholt, der jetzt 6min-Kilometer läuft. Ein höheres Tempo schaffe ich jetzt auch nicht mehr. Ich überhole die Gruppe zwar, komme aber nicht weg. Und eine Phalanx von 20 Läufern 20 Schritte hinter einem ist auf die Dauer nervenzerfetzend. Ich habe das Gefühl, eine im Gleichschritt laufende römische Legion ist hinter mir her. Also verstecke ich mich an der nächsten Getränkestelle hinter einem Becher ISO-Getränk und lasse sie vorbei.

Bei km35 laufen wir wieder in die Altstadt hinein. Menschen, die uns anfeuern! Abwechslungsreiche Streckenführung! Wenn ich nur nicht so müde wäre – der Mann mit dem Hammer ist heute eher ein Mann mit dem Sauger, der jetzt mehr und mehr Energie aus mir heraussaugt.

Bei Kilometer 37 geht es über die Eiserne Brücke, die schön mitschwingt. Gut daß die römische Legion schon durch ist, sonst wäre mir wahrscheinlich übel geworden. Schlecht genug ist mir auch so schon. Mußten die ollen Regensburger ihre Steinerne Brücke damals so hoch bauen? Den Anstieg muß ich gehen. Oben auf der Brückenkrone laufe ich weiter, durch enge Gassen, noch eine Schleife nach rechts. Hier könnte eigentlich passenderweise das Ziel sein. Aber nein, wir müssen noch zwei lange Kilometer leicht bergauf raus aus der Stadt zum Westbad! Das zieht sich ewig. Inzwischen laufe ich wahrscheinlich im 7min/km Tempo, aber immerhin, ich laufe noch.

Dann endlich ist das Ziel in Sicht. Der Versuch eines Sprints, ein Blick auf die Uhr: 4 Stunden glatt! Geil – 16 Minuten schneller als letztes Jahr. Dafür auch viel erschöpfter. Irgendwer hängt mir eine Plakette um und drückt mir eine Banane in die Hand. Mit der Banane im Bauch und 60 Pulsschlägen weniger werde ich langsam wieder Mensch und genieße die Super-Organisation der Regensburger: Wasser und Cola in rauhen Mengen und ohne Anstehen, eine ausführliche Massage auch fast ohne Wartezeit, und das ganze jetzt sogar bei Sonnenschein!

Fazit: Ein empfehlenswerter Marathon: Eine (meist) schöne und flache Strecke, super Organisation, das Wetter hat auch mitgespielt und ich habe mein persönliches Ziel erreicht.

Forstenrieder Volkslauf 2006

Dies war mein fünfter Halbmarathon, und es sollte mein schnellster werden.

Das Wetter war gerade richtig: Kühl und Nieselregen. Bei diesem Wetter laufe ich immer meine besten Zeiten. Der Startbereich war gut ausgeschildert und leicht zu finden, die 30 Minuten vor dem Startschuß vergingen wie im Flug. Keine Wartezeit für das finale kleine Geschäft (letzte Woche in Berlin waren es noch 25 Minuten), schöne Wege zum Warmlaufen, usw. ich bin sogar schon durch das Start/Zieltor gelaufen und habe mich gefragt, in welche Richtung das Feld wohl loslaufen würde. Als ich von der Aufwärmrunde zurückkam und auch wieder das Tor zulief, hatte ich auf einmal eine Wand von wild entschlossenen Spitzenläufern vor mir. Aha, falsche Seite – schnell vorbei und hinten anstellen.

Der Startschuß fiel, und los ging’s! Die meisten spurteten derartig schnell voran, daß der übliche „Sortierslalom“ hier nur etwa einen Kilometer währte, dann lief ich ungestört mein Tempo in einer kleinen Gruppe. Ich hatte mir vorgenommen, Kilometerzeiten von 5:30min zu laufen, das sollte für 1:55h reichen, knapp unter meiner bisherigen Bestzeit (auch im Nieselregen). So lief ich los, die ersten Kilometerschilder kamen wie immer schneller als erwartet und ich lief 5:20er Kilometer, einen nach dem anderen, immer weiter, und fühlte mich wohl dabei.

Der Lauf wurde zu einem fast meditativen Erlebnis: Vor einem Läuferbeine zum drauf konzentrieren, links Wald, rechts Wald, keine Zuschauer, oben Nieselregen. Nur das rythmische Geräusch der Schuhe auf dem Asphalt ist zu hören. Und jeden Kilometer ein freundliches Schild zu sehen: 6-7-8-9 – die Zeit verging wie im Fluge. Ich bin noch nie im Forstenrieder Park gelaufen und wußte daher nie, wo genau ich war und wie lange es noch bis zur nächsten Kurve war. Also konnte ich mich ganz aufs Laufen konzentrieren.

Der Lauf war sehr professionell organisiert. So habe ich es das erste Mal erlebt, daß das Wasser an den Versorgungsstationen angenehm vorgewärmt war!

Ab Kilometer 12 wurde es dann doch langsam anstrengender, das Tempo zu halten. Aber dafür gab es Abwechslung und Motivation zugleich. Die Spitzenläufer kamen einem entgegen, und: Sie keuchten auf ihren letzten Kilometern ganz genau so wie ich es von mir bei Kilometer 19 auch erwartete. Das motiviert.

Bei Kilometer 16 liefen wir eine 180-Grad-Kurve und boten nun den nachfolgenden Läufern auch das Schauspiel theatralischen Keuchens. Irgendwie waren die Kilometerschilder jetzt weiter voneinander entfernt platziert. Das letzte Stück über eine Waldweg, am Anfang kaum wahrgenommen, zog sich unendlich hin. Doch dann war das Ziel im Blick, dieses Mal ohne Starterreihe. Endspurt – PIEP macht die Chipmeßanlage – 1:51h! Wow – mehr als vier Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit. Habe ich schon erwähnt, wie gerne ich im Nieselregen laufe?

Im Ziel gab es Bananen, Apfelschorle und jede Menge zufriedene Gesichter. Denn just zu dieser Sekunde hatte der Regen aufgehört.

Ein sehr schöner Lauf! Es gibt große Fun-Läufe (wie den Münchner Stadtlauf) oder fast familiäre Läufe wie diesen, wo man, von guter Organisation umsorgt, in Ruhe seine perönlichen Grenzen testen kann.