Achenseelauf 2006

Was für ein schöner Lauf! Super Panorama die ganze Zeit, Abwechslung im zweiten Teil und Schlemmerbuffet im Ziel. Aber erstmal…

Ich trainiere gerade auf mein Ziel „Unter 4h“ für den München Marathon (welches in in Regensburg um 10 Sekunden verfehlt habe) und hatte mich im Frühjahr angemeldet, weil mir 23km um einen See als guter Testwettkampf erschienen.
Kurz vor dem Lauf dann habe ich in drsl dann mal „Achenseelauf“ eingegeben und zwei schöne aber alarmierende Berichte (Danke Gernot) gefunden, wonach die zweite Hälfte eher ein Berglauf ist. Oha. Aber genug der Vorrede.

Sonntag früh um sieben Uhr. Nudelauflauf und Rotwein mit Freunden am Vorabend, den Rest Kuchen mit Kaffee zum Frühstück – das sollte doch eine ideale Grundlage sein, den Magen auf die Red Bulls an den Labestationen (der Lauf ist schließlich in Österreich) vorzubereiten.

Nach eineinhalb Stunden malerischer Autofahrt durch die Berge komme ich in Pertisau am Achensee an, bekomme einen Parkplatz auf einer großen Wiese und meine Startnummer. Im Begrüßungspaket befindet sich neben dem üblichen Müsliriegel auch ein Trinflaschengurt und – als Souvenier ein Paket Buchstabennudeln!

Es ist kalt so früh. Also länger warmlaufen und Taktik überlegen. Gernot hatte empfohlen, die ersten 15km so schnell wie möglich zu laufen, weil auf den dann folgenden fünf Bergkilometern eh Stop-n-Go mit Ausruhgelegenheit zu erwarten ist. Also beschließe ich, mein avisiertes Marathontempo (5:30min/km) anzupeilen und mich auf den Berg zu freuen.

Ein krachender Böllerschuß am Start zwingt uns, die ersten Kilometer taub zu laufen. Offensichtlich sollen keine anderen Sinne unsere Augen von der Kulisse ablenken, die sich jetzt vor uns entfaltet: Den ersten Kilometer geht es leicht bergab durch Pertisau zum Ufer des Sees, dann immer am See entlang. Wir passieren die Endstation der Dampfeisenbahn, die aus dem Inntal herauf zum See fährt, umrunden die Südspitze und laufen dann unterhalb der in den Fels gehauenen Straße am Ostufer des Sees nach Norden.

Meine Kilometerzeiten sind genau im Plan, und ich fühle mich super. Auf dem See kreuzt ein Ausflugsdampfer mit Zuschauern, dazwischen Schlauchboote mit Sanitätshelfern. Ein Schlauchboot wäre im Falle eines Falle schneller vor Ort als ein Krankenwagen. Später am Westufer sollten wir Streckenposten mit ausreichend Seil sehen, bereit, Hilfebedürftige zum Schlauchboot auf dem See abzuseilen. Bei Kilometer 9 kommt die erste kurze Steigung. Freundlicherweise haben die Veranstalter links und rechts Spiegel aufgestellt, damit jeder die Größe seiner Schweißperlen mit denen des Hintermanns vergleichen kann 🙂

10km Zwischenzeit ist 54:00, alles im Plan. Bei Achenkirch und Kilometer 14 umrunden wir die Nordspitze des Sees und eine seltsame Unruhe breitet sich im Feld aus. Hektische Zwischenspurts, Überholmanöver – kurze Zeit später erkenne ich warum: Stau, noch bevor der Bergpfad richtig angefangen hat. Ab jetzt gilt Überholverbot, an das sich auch brav jeder hält.

Die nächsten 5km werden auf diese Weise sehr kurzweilig; Man hat Muße den Ausblick auf den See zu genießen und ein wenig mit seinen Nachbarn zu quatschen. Zwischendurch kurze Laufabschnitte, dann wieder 40cm hohe Stufen hoch und am Ende steil wieder runter auf Seehöhe. Dort gibt es das erste Mal Red Bull zu trinken, und weiter geht es in ein Waldstück. Der Weg wird allerdings noch nicht breiter, Stufen und Wurzelwerk erfordern höchste Konzentration. Das Durchschnittstempo ist inzwischen auf mehr als 6:00min/km abgesackt. Hoffentlich gehen die Endspurtkilometer nicht auch durch den Wald!

Nein, denn der Achensee ist ein läuferfreundlicher See: Die letzten zwei Kilometer läuft man auf einem breiten Promenadenweg nach Pertisau ein. Hier kann ich das Tempo noch einmal richtig anziehen, das Ziel schon fast vor Augen. Das macht Spaß. So wie der ganze Lauf, 2 Stunden und 19 Minuten lang.

Im Ziel bekommen wir unsere Medaille, soviel Red Bull wie wir wollen, aber auch Wasser, Iso, Kuchen, Bananen, Müsliriegel… Das tut gut!

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Lauf, bestens organisiert, abwechslungsreich und durch wunderbare Landschaft.

Regensburg Marathon 2006

Heute, bei meinem dritten Marathon nach Essen und München, hatte ich mir vorgenommen, 4h zu laufen. Nachdem ich letztes Jahr in Essen bei meiner Premiere überraschend locker 4:16 gelaufen bin, in München dann zu schnell angegangen bin und in mich ab km25 nur noch ins Ziel gequält habe, wollte ich es dieses Mal Training ganz nach Lehrbuch machen: Auf Basis eines trotz Rekordschneemengen „durchgelaufenen“ Winters Intervalle, Läufe im Marathontempo und lange ganz langsame Läufe.

Das hat auch weitgehend funktioniert: Drei Wochen vor Regensburg wurden meine Pulswerte bei den zwei Tempobereichen (langsam und Marathon) auf einmal 5% niedriger als der Durchschnitt vorher. Ein gutes Omen. Vielleicht schaffe ich die vier Stunden ja tatsächlich?

Für Schnell-Leser: Ich habe die Punktlandung geschafft: 4:00:09, auch wenn’s am Ende doch sehr hart wurde.

Aber beginnen wir mit dem Anfang: Dem Weckerklingeln früg um 5 Uhr, der Blick aus dem Fenster – kein Regen in München. Für Regensburg waren vormittags Schauer mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 35% vorhergesagt. Bewölkter Himmel, gerne auch Nieselregen, ist eigentlich mein bevorzugtes Laufwetter – also habe ich voller Optimismus zwei Honigbrötchen
vertilgt, zwei Becher Kaffee zum rechtzeitigen Ballastabwurf, und los ging’s nach Regensburg.

Kein Regen. Der kam erst ab Holledau, dann aber richtig. Am letzten Rasthof vor Regensburg durch den Regen schnell zum Ballastabwurf zweiter Teil gesprintet. Dies war der erste frühmorgendliche Treffpunkt der Läufergemeinde, die alle das gleiche vorhatten wir ich 🙂

In Regensburg schnell die Startnummer abgeholt. Dunkle Wolken türmten sich am Himmel auf. Da ich früh dran war und einen Parkplatz unmittelbar neben dem Startbereich gefunden hatte, war das Auto die Zuflucht vor dem aufziehenden Platzregen. Die Insassen der anderen Autos auf dem Parkplatz haben das wohl genauso gemacht – jedenfalls waren die Scheiben von innen beschlagen wie im Autokino…

Eine halbe Stunde vor dem Start habe ich das schöne trockene Auto dann doch verlassen und mich auf den Weg zum Start gemacht – und siehe da: Beim Einlaufen wurde der Regen weniger, und beim Start hörte er ganz auf. Er sollte auch in den nächsten Stunden nicht wiederkommen. Der Wettergott muß ein Läufer sein.

Am Start ging auf einmal alles ganz schnell – nach nur 30 Sekunden war ich schon über die Startlinie. Keine minutenlangen Staus wie bei meinen beiden ersten Marathons. Jetzt nur nicht in der Anfangseuphorie zu schnell werden. Am besten orientiere ich mich an dem 3:59 Zugläufer.

Nur daß der ein Tempo vorlegt, daß einem Angst und Bange wird. Na gut, dann lassen wir in eben ziehen.

Es ist Sonntags um neun, kaum Menschen am Wegesrand. Nur die Bands sind schon wach, und heizen und auch ordentlich ein. Danke dafür! Nach 2km kommen wir in die Altstadt, hier sind schon mehr Menschen unterwegs. Hinter der Altstadt geht es eine Ausfallstraße nach Osten. Hier trifft die Rauswärts-Strecke wieder die Reinwärts-Strecke. Ich linse auf die Kilometerschilderauf der anderen Seite: 35km – wie es mir wohl da gehen wird? Jetzt jedenfalls geht es mir gut, der Puls ist nach dem Anfangsschub wieder runter auf 155. Das sollte sich durchhalten lassen.

Bei Kilometer 9 spielt eine Band „Turn the Page“ von Metallica: „Here I go…“ Das geht durch und durch, ich höre das Lied noch den ganzen folgenden Kilometer, während ich mich fühle, als ob ich fliege. Danke, Jungs!

Der 3:59 Zugläufer ist inzwischen außer Sicht, ich laufe jedoch ruhig jeden Kilometer zwischen 5:30 und 5:40. Bei Kilometer 13, hinter Barbing, kommt die Walhalla in Sicht. Hier beginnt der landschaftlich schönste Teil der Strecke. Links die Donau, rechts Seen oder Wiesen. Gute Entscheidung, den Regensburg Marathon in einer Runde über Barbing hinaus zu führen und nicht
zwei Runden drehen zu lassen wie bisher!

Ein ganz besonderes Lob haben all die wackeren Helferinnen und Helfer bei den Verpflegungsstationen verdient: Niemals Gedrängel, fast immer habe ich meinen Becher mit einem freundlichen Lächeln in die Hand gedrückt bekommen. Es waren viel mehr Verpflegungsstationen da als auf der Rennverlaufskarte angegeben. Manchmal alle 2-3km eine. Das war gut (viel zu Trinken) und schlecht zugleich: Es ließ sich nicht recht vorausberechnen, wann die nächste Station genau kam. Im letzten Drittel, wo ich mir mit klebrigen Gels den Hammermann vom Leibe halten wollte, mußte ich aufgrund solch einer Fehlkalkulation fast 2km mit zusammengeklebten Zähnen laufen.

Die Kilometermarken zählen höher. Irgendwo am Sarchinger See dann der Ruf: „Alle nach rechts rüber!“. Die Spitzengruppe kommt uns entgegen. Es ist immer wieder ein Erlebnis, die Geschwindigkeit und Eleganz dieser Läuferinnen und Läufer zu bewundern. Die werden im Ziel sein, wenn ich diesen Punkt auf dem Rückweg passiere, mit noch knapp 20km vor der Brust!

Ich laufe weiter mein Tempo und passiere die Halbmarathon-Marke bei 1:57. In München habe ich jetzt begonnen abzubauen, aber hier kann (erstmal) keine Rede davon sein. Einfach ruhig weiterlaufen. In Friesheim, Sarching und Barbing stehen auf dem Rückweg viel mehr Menschen als auf dem Hinweg und feuern uns kräftig an. Die 30km-Marke hinter Barbing passiere ich in 2:50.

So langsam werde ich müde. Vielleicht spielen Sie gleich noch einmal Metallica? – Leider nicht, und das Stück zwischen Barbing und der Altstadt am Donauhafen entlang ist öde, öde, öde. Doch was ist das? Ich habe den 3:59 Zugläufer eingeholt, der jetzt 6min-Kilometer läuft. Ein höheres Tempo schaffe ich jetzt auch nicht mehr. Ich überhole die Gruppe zwar, komme aber nicht weg. Und eine Phalanx von 20 Läufern 20 Schritte hinter einem ist auf die Dauer nervenzerfetzend. Ich habe das Gefühl, eine im Gleichschritt laufende römische Legion ist hinter mir her. Also verstecke ich mich an der nächsten Getränkestelle hinter einem Becher ISO-Getränk und lasse sie vorbei.

Bei km35 laufen wir wieder in die Altstadt hinein. Menschen, die uns anfeuern! Abwechslungsreiche Streckenführung! Wenn ich nur nicht so müde wäre – der Mann mit dem Hammer ist heute eher ein Mann mit dem Sauger, der jetzt mehr und mehr Energie aus mir heraussaugt.

Bei Kilometer 37 geht es über die Eiserne Brücke, die schön mitschwingt. Gut daß die römische Legion schon durch ist, sonst wäre mir wahrscheinlich übel geworden. Schlecht genug ist mir auch so schon. Mußten die ollen Regensburger ihre Steinerne Brücke damals so hoch bauen? Den Anstieg muß ich gehen. Oben auf der Brückenkrone laufe ich weiter, durch enge Gassen, noch eine Schleife nach rechts. Hier könnte eigentlich passenderweise das Ziel sein. Aber nein, wir müssen noch zwei lange Kilometer leicht bergauf raus aus der Stadt zum Westbad! Das zieht sich ewig. Inzwischen laufe ich wahrscheinlich im 7min/km Tempo, aber immerhin, ich laufe noch.

Dann endlich ist das Ziel in Sicht. Der Versuch eines Sprints, ein Blick auf die Uhr: 4 Stunden glatt! Geil – 16 Minuten schneller als letztes Jahr. Dafür auch viel erschöpfter. Irgendwer hängt mir eine Plakette um und drückt mir eine Banane in die Hand. Mit der Banane im Bauch und 60 Pulsschlägen weniger werde ich langsam wieder Mensch und genieße die Super-Organisation der Regensburger: Wasser und Cola in rauhen Mengen und ohne Anstehen, eine ausführliche Massage auch fast ohne Wartezeit, und das ganze jetzt sogar bei Sonnenschein!

Fazit: Ein empfehlenswerter Marathon: Eine (meist) schöne und flache Strecke, super Organisation, das Wetter hat auch mitgespielt und ich habe mein persönliches Ziel erreicht.

Forstenrieder Volkslauf 2006

Dies war mein fünfter Halbmarathon, und es sollte mein schnellster werden.

Das Wetter war gerade richtig: Kühl und Nieselregen. Bei diesem Wetter laufe ich immer meine besten Zeiten. Der Startbereich war gut ausgeschildert und leicht zu finden, die 30 Minuten vor dem Startschuß vergingen wie im Flug. Keine Wartezeit für das finale kleine Geschäft (letzte Woche in Berlin waren es noch 25 Minuten), schöne Wege zum Warmlaufen, usw. ich bin sogar schon durch das Start/Zieltor gelaufen und habe mich gefragt, in welche Richtung das Feld wohl loslaufen würde. Als ich von der Aufwärmrunde zurückkam und auch wieder das Tor zulief, hatte ich auf einmal eine Wand von wild entschlossenen Spitzenläufern vor mir. Aha, falsche Seite – schnell vorbei und hinten anstellen.

Der Startschuß fiel, und los ging’s! Die meisten spurteten derartig schnell voran, daß der übliche „Sortierslalom“ hier nur etwa einen Kilometer währte, dann lief ich ungestört mein Tempo in einer kleinen Gruppe. Ich hatte mir vorgenommen, Kilometerzeiten von 5:30min zu laufen, das sollte für 1:55h reichen, knapp unter meiner bisherigen Bestzeit (auch im Nieselregen). So lief ich los, die ersten Kilometerschilder kamen wie immer schneller als erwartet und ich lief 5:20er Kilometer, einen nach dem anderen, immer weiter, und fühlte mich wohl dabei.

Der Lauf wurde zu einem fast meditativen Erlebnis: Vor einem Läuferbeine zum drauf konzentrieren, links Wald, rechts Wald, keine Zuschauer, oben Nieselregen. Nur das rythmische Geräusch der Schuhe auf dem Asphalt ist zu hören. Und jeden Kilometer ein freundliches Schild zu sehen: 6-7-8-9 – die Zeit verging wie im Fluge. Ich bin noch nie im Forstenrieder Park gelaufen und wußte daher nie, wo genau ich war und wie lange es noch bis zur nächsten Kurve war. Also konnte ich mich ganz aufs Laufen konzentrieren.

Der Lauf war sehr professionell organisiert. So habe ich es das erste Mal erlebt, daß das Wasser an den Versorgungsstationen angenehm vorgewärmt war!

Ab Kilometer 12 wurde es dann doch langsam anstrengender, das Tempo zu halten. Aber dafür gab es Abwechslung und Motivation zugleich. Die Spitzenläufer kamen einem entgegen, und: Sie keuchten auf ihren letzten Kilometern ganz genau so wie ich es von mir bei Kilometer 19 auch erwartete. Das motiviert.

Bei Kilometer 16 liefen wir eine 180-Grad-Kurve und boten nun den nachfolgenden Läufern auch das Schauspiel theatralischen Keuchens. Irgendwie waren die Kilometerschilder jetzt weiter voneinander entfernt platziert. Das letzte Stück über eine Waldweg, am Anfang kaum wahrgenommen, zog sich unendlich hin. Doch dann war das Ziel im Blick, dieses Mal ohne Starterreihe. Endspurt – PIEP macht die Chipmeßanlage – 1:51h! Wow – mehr als vier Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit. Habe ich schon erwähnt, wie gerne ich im Nieselregen laufe?

Im Ziel gab es Bananen, Apfelschorle und jede Menge zufriedene Gesichter. Denn just zu dieser Sekunde hatte der Regen aufgehört.

Ein sehr schöner Lauf! Es gibt große Fun-Läufe (wie den Münchner Stadtlauf) oder fast familiäre Läufe wie diesen, wo man, von guter Organisation umsorgt, in Ruhe seine perönlichen Grenzen testen kann.